Lieschen Neumann vor dem Schaufenster

Lieschen Neumann vor dem Schaufenster

1930
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Yvas erste Fotobildgeschichte, die 1930 als Auftragsarbeit im illustrierten Magazin "Uhu" erschien, thematisiert und persifliert Sein und Schein des modernen Lebens. Unter dem Titel „Lieschen Neumann will Karriere machen oder Das Scheinleben vor der Kamera“ wurde anhand von zwölf Fotografien die tragikomische Geschichte einer jungen Frau erzählt, die nichts hat „als etwas anzuziehn“ und kein Talent besitzt, abgesehen von „einem hübschen Kopf“ und „einwandfreien Beinen“. Sie möchte reich und berühmt werden, lässt sich zu diesem Zweck in einem exklusiven Fotoatelier ablichten und muss am Ende der Geschicht´ doch einsehen, dass ihre Vorstellung vom Business allzu naiv war. Auf dem Schlussbild blickt sie sehnsüchtig auf die für sie unerschwinglichen Auslagen in einem Schaufenster. Vielen Mädchen und jungen Frauen wird Lieschens Traum als Variante der eigenen Sehnsucht erschienen sein, in die glamouröse Welt der Filmstars und Mannequins aufzusteigen. Den amüsanten Text in Reimform, dessen moralisch- belehrender Unterton jedoch keinen Zweifel an der Bewertung von Lieschens naiver Lebenslüge ließ, lieferte kein anderer als der junge Erich Kästner. Bei dem Modell, das Lieschen Neumann verkörperte, handelte es sich um Beatrice Garga, die wenige Jahre vor diesen Aufnahmen eine Nebenrolle als Frau der ewigen Gärten in Fritz Langs Filmklassiker Metropolis ergattert hatte.

Yva – Else Ernestine Neuländer-Simon (1900–1942)

Zeitgenossen nahmen die Arbeiten der Berliner Fotografin Yva als denen eines Man Ray oder László Moholy-Nagy ebenbürtig wahr. Yva selbst, mit bürgerlichem Namen Else Neuländer, sah sich in erster Linie als Gebrauchsfotografin. Neben Aufträgen von illustrierten Magazinen und Modezeitschriften fertigte Yva Porträts von Künstlern, Tänzerinnen und Schauspielern, aber auch Tierporträts und Werbeaufnahmen. Die spätere Lehrmeisterin von Herbert Newton gründete schon mit 25 Jahren ihr eigenes Atelier und wurde insbesondere mit ihren Modeaufnahmen schnell bekannt. Mit seiner hoch professionalisierten, nachfrageorientierten Arbeitsweise hatte sich Yvas Atelier mit seinen bis zu 10 Mitarbeitern 1934 endgültig als eines der gefragtesten auf dem Gebiet der Modefotografie in Berlin durchgesetzt. Als die Nationalsozialisten 1938 ein Arbeitsverbot für jüdische Bürger verhängten, dem Yva aufgrund ihrer Herkunft unterlag, endete diese Erfolgsgeschichte jedoch wenige Jahre später. Erst Mitte der Neunzigerjahre des 20. Jahrhunderts wurde das zwischen 1925 und 1938 entstandene Werk dieser Grande Dame der Modefotografie wiederentdeckt und in seiner Bedeutung für die Entwicklung sowohl der Kunst- als auch der Gebrauchsfotografie der Moderne gewürdigt.

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