Das Brandenburger Tor von der Friedensallee aus

Das Brandenburger Tor von der Friedensallee aus

1910
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Für Berlin bedeuteten die Jahrzehnte von der Reichseinigung bis zum ersten Weltkrieg eine Ära des unerhörten Wachstums und Wandels. 1877 wurde die neue Hauptstadt des deutschen Kaiserreiches zunächst Millionenstadt, dann wurden 1905 die Zweimillionen überschritten. Aus der barocken Residenzstadt war eine moderne Weltstadt geworden − die freilich formal erst 1920 als Groß-Berlin gebildet werden sollte. Manchem kulturkritischen Betrachter ging diese Entwicklung allerdings zu schnell. Häufig verband sich dabei der anti-moderne Affekt mit der Kritik an der preußisch geprägten Geburtskonstruktion des Deutschen Reiches. Immer wieder wurden der „modernen Retortenstadt“ Berlin traditions- und kulturreichere Städte wie München und insbesondere Wien vorgehalten. Kein Wunder also, dass das Bürgertum der Hauptstadt, bei allem Sinn für die Aufgaben der Zeit, auch nach Selbstvergewisserung in der Vergangenheit suchte. Für Berlin bot sich hier natürlich das preußische Erbe an, das vor den Kriegszerstörungen des 20. Jahrhunderts im Stadtbild noch überaus präsent war. Die Architekturfotografie, die Ende des 19. Jahrhunderts die Architekturmalerei nahezu abgelöst hatte, machte in dieser Zeit ein hervorragendes Angebot der Sinnstiftung: Mittels des modernen Mediums der Fotografie brachte sie dekorativ und in perfekter Technik die großen Kulturdenkmäler einer glorreichen Vergangenheit ins eigene Wohnzimmer. Unter den Motiven, die Berlin in dieser Hinsicht zu bieten hatte, war das Brandenburger Tor mitsamt der Quadriga, das 1788–1791 als Teil der Berliner Zollmauer in Anlehnung an das Athener Parthenon gebaut worden war – mit der Quadriga als symbolischer Friedensbringerin –, sicherlich das populärste. Und durch seine Aufladung als anti-französisches Symbol am Vorabend des I. Weltkriegs auch das „patriotischste“.

Sein Vater, der Uhrmachers Johann Christian Missmann, hatte Max Missmann wohl die Liebe zur Feinmechanik ins Herz gepflanzt. Zwar war der Kreuzberger Junge zunächst zum Dekorateur ausgebildet worden, aber mit 24 wechselte er noch einmal den Lehrberuf und wurde Fotograf. Zunächst als Lehrling bei dem renommierten Photographischen Atelier von Zander & Laibisch in der Mohrenstraße und schließlich ab 1900 im eigenen Atelier in der Skalitzer Straße 45. Nicht zuletzt, um sich von den übrigen 281 gewerblich eingetragenen „Lichtbildstätten“ in Berlin abzuheben, versah Missmann jedes Negativ mit seinem „Bilderzeichen“: dem Monogramm MM sowie der Jahreszahl und der fortlaufenden Negativnummer.

Der Betrieb des bald als „Photographisches Institut für Architektur, Industrie und Illustration“ firmierenden Unternehmens lief gut. In zahlreichen Publikationen waren seine Bilder zu sehen, etwa in Max Osborns bekanntem Berlin-Bildband oder in Franz Lederers „Berlin und Umgebung“, seine Motive fanden Verwendung in Kalendern und als Postkarten. 1944 wurde sein Atelier durch einen alliierten Bombenangriff zerstört, ein Ereignis, das ihm seine Lebenskraft raubte. Er starb am 3. Oktober 1945.

Nun drohte sein Werk in alle Richtungen zerstreut zu werden. Seine Renaissance nach 1988 verdankt sich vor allem der Ankaufspolitik des Berliner Märkischen Museums. Das spätere Berliner Stadtmuseum hatte zwischen 1905 und 1943 fast 1.100 Originalabzüge von Max Missmann angekauft, den größten Bestand an einem Einzelkünstler. Eine kluge Ankaufspolitik, dank der ein einzigartiges fotografisches Werk zur Berliner Stadtarchitektur  zumindest in Teilen überdauern konnte, und aus der heraus sich in den vergangenen Jahren mehrere Buchpublikationen und Ausstellungen speisten.

Foto: Max Missmann, © Stiftung Stadtmuseum Berlin. Limitierter Fine-Art-Print. Auflage: 80 Exemplare.
298,00€inkl. MwST., zzgl. Versand

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