Die Sentimentale

Die Sentimentale

1932
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Aus der historischen Distanz scheint das Porträt „Die Sentimentale“ fast ikonenhaft die inneren Widersprüche der Weimarer Gesellschaft kurz vor dem Machtwechsel zu verdeutlichen. Die Fotografie, 1932 entstanden und in der Septemberausgabe von „Uhu- Das neue Monats-Magazin“ erschienen, zeigt eine junge Frau, die einen sehnsüchtig-nostalgisch Blick über die Schulter wirft. Das Gesicht ist dem Betrachter zwar zugewandt, der Kopf etwas nach hinten geneigt und dadurch ganz leicht ins Halbprofil verrutscht, sodass die Aufnahme eine fast unmerkliche Untersicht aufweist. Die Augen aber sind nicht geradeaus, in die Kamera gerichtet, sondern in einer extremen Verdrehung weg vom Licht nach links gerichtet. Das Objekt, nach dem die Sentimentale sich umsieht, ist unserem Blickfeld entzogen; doch genau dadurch öffnet sich ihr Blick, der sich in der Weite zu verlieren scheint, als Projektionsfläche für die Erinnerungen, geheimen Wünsche oder nostalgischen Sehnsüchte des Betrachters.

 

Yva – Else Ernestine Neuländer-Simon (1900–1942)

Zeitgenossen nahmen die Arbeiten der Berliner Fotografin Yva als denen eines Man Ray oder László Moholy-Nagy ebenbürtig wahr. Yva selbst, mit bürgerlichem Namen Else Neuländer, sah sich in erster Linie als Gebrauchsfotografin. Neben Aufträgen von illustrierten Magazinen und Modezeitschriften fertigte Yva Porträts von Künstlern, Tänzerinnen und Schauspielern, aber auch Tierporträts und Werbeaufnahmen. Die spätere Lehrmeisterin von Herbert Newton gründete schon mit 25 Jahren ihr eigenes Atelier und wurde insbesondere mit ihren Modeaufnahmen schnell bekannt. Mit seiner hoch professionalisierten, nachfrageorientierten Arbeitsweise hatte sich Yvas Atelier mit seinen bis zu 10 Mitarbeitern 1934 endgültig als eines der gefragtesten auf dem Gebiet der Modefotografie in Berlin durchgesetzt. Als die Nationalsozialisten 1938 ein Arbeitsverbot für jüdische Bürger verhängten, dem Yva aufgrund ihrer Herkunft unterlag, endete diese Erfolgsgeschichte jedoch wenige Jahre später. Erst Mitte der Neunzigerjahre des 20. Jahrhunderts wurde das zwischen 1925 und 1938 entstandene Werk dieser Grande Dame der Modefotografie wiederentdeckt und in seiner Bedeutung für die Entwicklung sowohl der Kunst- als auch der Gebrauchsfotografie der Moderne gewürdigt.

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